Wir tauschen uns diesmal über das Buch Die Wenigen und die Vielen. Roman einer Zeit von Hans Sahl aus.
In seinem einzigen Roman erzählt Hans Sahl die Geschichte eines Schriftstellers, der zur Flucht aus Nazi-Deutschland gezwungen wird, kreuz und quer durch Europa gehetzt wird und bei seiner glücklichen Ankunft in New York das eigenartige Gefühl nicht abschütteln kann:
Das Exil werde ich nie mehr hinter mir lassen …
Hans Sahls Roman, der vom Untergang einer ganzen Welt erzählt, gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Geschichte des deutschen Exils.
„Ich bin kein Held. Ich habe Angst vor Ratten und vor Schlangen. Ich gehe ungern durch einen dunklen Wald. Ich liebe es nicht, misshandelt zu werden. Schlachtenlärm und Weltuntergänge sowie alle historischen Ereignisse, die sich geräuschvoll abspielen, sind mir unsympathisch. Ich liebe Bücher und Bilder, gute Musik und gute Weine …“
So beginnt Georg Kobbe in Hans Sahls 1959 erstmals publiziertem Roman »Die Wenigen und die Vielen« von sich zu erzählen. Es ist die abenteuerliche Geschichte eines Berliners Dichters, der, weil er die falschen Bücher las und schrieb, vor allem aber, weil er ein Jude war, durch halb Europa gejagt wurde, bis er sich schließlich in Amerika in Sicherheit bringen konnte.
(Aus dem Umschlagtext der Buchausgabe des Luchterhand-Verlags, 2010)
Hans Sahl (1902–1993) war Schriftsteller, Feuilletonist, Literatur- und Theaterkritiker und Lyriker:
Exil
Es ist so gar nichts mehr dazu zu sagen.
Der Staub verweht.
Ich habe meinen Kragen hochgeschlagen.
Es ist schon spät.Die Winde kreischt.
Sie haben ihn begraben.
Es ist so gar nichts mehr dazu zu sagen.
Zu spät.
aus: Hans Sahl: Die Gedichte. Luchterhand Literaturverlag, München 2009
An Bild- und Tondokumenten, um sich auf Hans Sahls Leben und Werk einzustimmen, und seine Stimme zu hören, fehlt es nicht. Hier zwei Tipps:
Hans Sahl – Charterflug in die Vergangenheit. Dokumentation, 1992
Einführung und Moderation: Sabine Günther
Ort: Kieztreff der kliq-Genossenschaft, Wilskistr. 34
Zeit: 28.7.2026, 18:00–20:00 Uhr
Die Teilnahme ist kostenfrei. Es wird um eine Spende für den Unterhalt des Kieztreffs gebeten.
Bitte melden Sie sich bei Sabine Günther an: >>>
Der September-Termin des Literatursalons steht bereits fest:
29.9., 18 Uhr, Ulrike Draesner, Schwitters

