Wir tauschen uns diesmal über den Roman Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz aus.
Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.
Wir verdankten dem Verleger Peter Graf 2013 bereits die Wiederentdeckung des Romans Blutsbrüder von Ernst Haffner. 2017 glückte ihm die Herausgabe eines bis dahin in Deutschland unveröffentlichten Romantyposkripts, das der 23-jährige Ulrich Alexander Boschwitz 1938, schon auf der Flucht vor den Nazis, in wenigen Wochen zu Ende schrieb: Der Reisende.
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Einführung und Moderation: Sabine Günther
Ort: Kieztreff der kliq-Genossenschaft, Wilskistr. 34
Zeit: 27. Oktober 2026, 18:00–20:00 Uhr
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Die Lektüreliste wird Ihnen auf Anfrage zugeschickt.
Die weiteren Termine des Literatursalons steht bereits fest:
17. November 2026 – Mopsa Sternheim, Im Zeichen der Spinne
15. Dezember 2026 – Gabriele Tergit, Der erste Zug nach Berlin

