11. April 2026, 10 Uhr – Marseille: Literaturrundgang auf den Spuren Walter Benjamins und anderer deutscher Marseilleliebhaber

Der deutsche Philosophenkünstler Walter Benjamin kam, bevor er im September 1940 auf der Flucht vor den Nazis von Marseille aus an die französisch-spanische Grenze fuhr und sich dort verzweifelt das Leben nahm, bereits in den 20er Jahren mehrmals nach Marseille.  Hier experimentierte er mit Drogen und deren Einfluss auf die Stadt-Wahrnehmung, woraus einige der schönsten Texte hervorgingen, die jemals über Marseille geschrieben wurden.

Ich strich am Kai entlang und las einen nach dem anderen die Namen der Boote, die dort festgemacht waren. Dabei überkam mich eine unbegreifliche Fröhlichkeit, und ich lächelte der Reihe nach allen Vornamen Frankreichs ins Gesicht.

(Walter Benjamin, 1928, Haschisch in Marseille)

Blick aus dem ehemaligen Restaurant Basso auf den Alten Hafe

In den 1920er Jahren fanden auch andere deutsche Schriftsteler/innen, Journalist/innen und Fotograf/innen  Marseille besonders attraktiv, geheimnisvoll und spannend: Erika und Klaus Mann, Joseph Roth, Kurt Tucholsky, die Bauhaus-Künstler Herbert Bayer und Laszlo Moholy-Nagy und viele andere.

…. La Cannebière, die Hauptverkehrsstraße der Stadt, La Cannebière, die Sehnsucht der Franzosen in Nordafrika, La Cannebière, Pforte zu den Freuden und Vergnügungen des Heimatlandes, da beginnt Frankreich.
Im Meere liegen Inseln, Forts und jenes berühmte Château d’If, auf dem der bändereiche Graf von Monte-Christo gesessen oder nicht gesessen hat. Der neue Hafen ist zu sehen, viele große Dampfer liegen darin, und der Anfang der Promenade de la Corniche, einer gewundenen Straße auf den Felsen, am Meer entlang.
Und dann ist es Abend, und nachdem ich in einem provenzalischen Restaurant, dessen Vorbau ganz von einer Plache verhüllt ist, die tiefen Geheimnisse der Bouillabaisse zu ergründen versucht habe, fahre ich hinaus aufs Meer.
Die Küste leuchtet fahl, die ersten Lichter glimmen, ein Nebel verhüllt den nördlichen Teil der Stadt. So träumt man. Die Stadt droht von ihren Hügeln herab, schweigt, sieht den Reisenden, der von draußen kommt, stumm an.

Aus einem Bericht von Peter Panter alias Kurt Tucholsky für die Vossische Zeitung, 1924

Der Rundgang beginnt am Vieux Port, führt uns durch das Panier-Viertel, bis wir schließlich am Rathaus, erneut am Vieux Port, ankommen.
Der Literaturrundgang wird von Sabine Günther in deutscher Sprache moderiert.

Treffpunkt: unter dem großen Spiegeldach am Vieux Port, Marseille
Zeit: Samstag, 11. April 2026, 10:00 Uhr. Der Rundgang dauert etwa 2 Stunden.
Teilnahmebeitrag: 15 € in bar, vor Beginn des Rundgangs

Bitte melden Sie sich per E-Mail bei Sabine Günther an >>>

 

 

 

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