Wir beginnen unseren virtuellen literarischen Spaziergang über den Kurfürstendamm vor der Schaubühne, in den 1920er Jahren Teil des WOGA-Komplexes von Erich Mendelsohn.
Diese Wohnanlage mit Kino, Kabarett und Tennisplatz, Mitte der 1920er Jahre im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaut, spielt in Gabriele Tergits Berlin-Roman Käsebier erobert den Kurfürstendamm eine wichtige Rolle, denn schließlich will man den Bänkelsänger Käsebier mit einem eigenen Kabarett aus der Hasenheide in den Neuen Westen locken:
Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Theater am Kurfürstendamm „Käsebiers Gute Stube“ oder „Käsebiers Sommergarten“. Das ist richtig. Rokoko ist abgemeldet.
Aus dem Theater für Käsebier wird zwar nichts, weil die Weltwirtschaftskrise dazwischen kommt, aber das Kaberett der Komiker, gegenüber vom Kino Universum, der heutigen Schaubühne, gab es wirklich.
Der Kurfürstendamm entwickelte sich in den 1920er Jahren zum Pracht-Boulevard Berlins, mit einer unglaublichen Dichte an Tanzlokalen, Künstlercafés, Revue- und Kabarettbühnen und Kinopalästen.
Hier roch es nach Freiheit, Frechheit und Benzin (G. Tergit), hier musste man hin, um am Puls der Zeit zu sein.
Auf unserem virtuellen Rundgang begegnen uns bekannte und weniger bekannte Künstlerinnen und Künstle, wie zum Beispiel Vladimir Nabokov, Erich Kästner, Josephine Baker, Yva, Mascha Kaléko und Jeanne Mammen.
Wir streifen unter anderem die Geschichte der Berliner Secession, des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm und des Café Reimann.
Zwischen Fasanenstraße und Breitscheidplatz stoßen wir erneut auf Käsebier:
Lambeck roch diese Luft aus Freiheit, Frechheit und Benzin. Einbeinige saßen an der Steinterrasse des großen Hotels. Pavillon, Bar, Diele und Dachgarten, wo Lene Nimptsch wohnte und Dörrs Gärtnerei war. Irrungen, Wirrungen, Wanderschrift, Kirche und winkender Schutzmann. Autos, Autos, Weltanschauungscafés und stille Konditorei für Liebe.
(aus: Käsebier erobert den Kurfürstendamm von Gabrile Tergit)
Dann tauchen wir auf der Höhe der Fasanenstraße noch tiefer in das künstlerische und gesellschaftliche Leben im Neuen Berliner Westen ein, den Erich Mühsam in den 1920er Jahren das Industriegebiet der Intelligenz nannte.

Zwischen Literaturhaus, Café Größenwahn und dem Romanischen Café erkunden wir die wilden 20er Jahre, eine künstlerisch hochproduktive Zeit, von der sich, schaut man genau hin, noch einiges erahnen lässt.
Bildvortrag von Sabine Günther
Ort: Seniorenfreizeitstätte der evangelischen Kirchengemeinde Babelsberg, Karl-Liebknecht-Str. 28, 14482 Potsdam-Babelsberg
Zeit: 18. November 2026, 13:30 – 14:30 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 € (nur Vortrag), 7,50 € (Vortrag mit anschließend Kaffee und Kuchen) – zahlbar in bar vor Ort
Anmeldung bitte telefonisch bei Bianca Schüssler: 0331 7044080 oder per E-Mail bei Sabine Günther >>>

